Reckahner Museen

Rochow-Museum und Schulmuseum Reckahn

Zweites "Märkisches Bauerngespräch"
"Vom gegrabnen Lande und vom Pflügen".

Wunderlich
Mit unserem Sommergetreide will es wieder nicht werden!

Lehrmann
Wir werden wohl zu flach pflügen.

Wunderlich
Ich denke mir, alle Leute pflügen so und unsere Eltern haben auch Brot gehabt.

Lehrmann
Kann sich denn auch nicht manches indes geändert haben?

Wunderlich
Was geändert? Noch scheint die Sonne, noch regnet es, schneit, friert und hagelt es wie eh und je.

Lehrmann
Ich meine nicht am Himmel, sondern auf der Erde. Wenn nun der Wind aus dem Acker die gute Erde allmählich weggeblasen hätte, oder diese mit Sand zudeckt - wäre das keine Veränderung?

Wunderlich
Das will ich meinen. Aber was ist da zu machen?

Lehrmann
Erstens würde ich die Seite, wo der meiste Sturm herkommt, mit einer Baumhecke zu schützen suchen. Zweitens würde ich meinen Acker tiefer pflügen, um dem Samen wieder mehr Erde zu verschaffen.

Wunderlich
Sollte das tiefere Pflügen wohl was helfen?

Lehrmann
Das denk ich schon! Denn seht doch nur euer Wintergetreide an, was dort wächst, wo ihr das Land selbst umgegraben habt. Selbst in der fettesten Ackerfläche und gepflügten Brache steht das Korn nicht so gut; das kann wohl keine andere Ursache haben, als dass die Wurzel da alles locker findet und so gut in die Tiefe gehn kann. Und warum sollt` es mit dem Sommergetreide nicht auch so sein?

Wunderlich
Daran hab ich noch nie gedacht, das hört sich gut an und man kanns doch probieren.

Lehrmann
Recht so! Prüfet alles und das Gute behaltet, sagt ja die Bibel! Und wenn ich euch mit meinem Rate noch besser dienen kann, so soll es gerne geschehen.

Quelle: Annalen der Märkischen Ökonomischen Gesellschaft zu Potsdam, Bd. 1(1792), H 1, S. 141-152.

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